Lastganganalyse
für Unternehmen

So erkennen Sie Lastspitzen & bewerten Einsparpotenziale

Ein Batteriespeicher, eine größere Photovoltaikanlage oder ein Energiemanagementsystem kann Unternehmen dabei helfen, ihre Energiekosten zu optimieren. Ob sich eine Investition tatsächlich lohnt, lässt sich aus Jahresverbrauch und höchster Leistung allein jedoch nicht ableiten. 

Eine Lastganganalyse zeigt, wann, wie lange und wodurch hohe Belastungen entstehen. In Verbindung mit Betriebs-, PV- und Speicherdaten lässt sich fundiert beurteilen, ob Prozessanpassung, Lastverschiebung, Peak Shaving oder ein Batteriespeicher die passende Lösung ist. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Die 15-Minuten-Lastgangdaten machen Grundlast, Verbrauchsmuster und Leistungsspitzen sichtbar. 
  • Entscheidend sind nicht nur die Höhe einer Spitze, sondern auch Dauer, Häufigkeit und Ursache. 
  • Erst gemeinsam mit Betriebs-, PV- und Speicherdaten lässt sich beurteilen, welche Maßnahme technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. 
  • Nicht jede Lastspitze erfordert einen Batteriespeicher: Je nach Ursache können Prozessoptimierung, Lastverschiebung oder dynamisches Lastmanagement geeigneter sein. 

Was ist eine Lastganganalyse?

Eine Lastganganalyse untersucht den zeitlichen Verlauf des elektrischen Leistungsbezugs eines Unternehmens. Grundlage sind meist Messwerte in 15-Minuten-Intervallen. Sie zeigen, wann und mit welcher Leistung Strom aus dem Netz bezogen wird. 

Dadurch werden unter anderem Grundlast, wiederkehrende Verbrauchsmuster und Lastspitzen sichtbar. Der Lastgang allein zeigt jedoch zunächst nur, wann eine Auffälligkeit entsteht. Erst durch den Abgleich mit Betriebszeiten, PV-Erzeugung, Speicherbetrieb und relevanten Verbrauchern lässt sich beurteilen, wodurch sie verursacht wird. 

Kurz gesagt: Die Lastganganalyse macht aus Energiedaten eine belastbare Grundlage für technische und wirtschaftliche Entscheidungen. 

Digitale Diagramme auf einem Laptop zur Lastganganalyse und Auswertung von Stromverbrauchsdaten

Welche Daten braucht eine belastbare Lastganganalyse?

Ein Lastgang zeigt, wann und mit welcher Leistung Strom aus dem Netz bezogen wird. Um Ursachen und Optimierungsmöglichkeiten zuverlässig zu bewerten, müssen die Messwerte jedoch mit weiteren Unternehmens- und Anlagendaten verknüpft werden. 

  • 15-Minuten-Lastgang
    Die Viertelstundenwerte bilden die zentrale Grundlage. Sie machen Grundlast, wiederkehrende Verbrauchsmuster sowie Höhe, Dauer und Zeitpunkt von Lastspitzen sichtbar. 
  • Stromrechnung und Tarifstruktur
    Neben dem Jahresverbrauch sind insbesondere leistungsabhängige Kostenbestandteile, Arbeitspreis, Abrechnungszeitraum und verrechnete Spitzenleistung relevant. Erst dadurch lässt sich die wirtschaftliche Bedeutung einzelner Lastspitzen beurteilen. 
  • PV-Erzeugung und Einspeisung
    Der reine Netzbezug zeigt nicht, wie viel Energie zeitgleich durch die eigene Photovoltaikanlage bereitgestellt wurde. Erzeugungs- und Einspeisedaten helfen zu erkennen, ob PV-Überschüsse besser genutzt oder Betriebszeiten angepasst werden können. 
  • Daten des Batteriespeichers
    Bei einem vorhandenen Speicher sind Ladezustand, Lade- und Entladeleistung sowie die zeitliche Nutzung entscheidend. So wird sichtbar, ob der Speicher bei Lastspitzen tatsächlich Leistung bereitstellt oder zu diesem Zeitpunkt bereits ausgelastet beziehungsweise entladen ist. 
  • Betriebszeiten und relevante Verbraucher
    Produktionsanlagen, Kompressoren, Kühlung, Wärmeerzeugung oder Ladeinfrastruktur sollten zeitlich den Auffälligkeiten im Lastgang zugeordnet werden. Erst dadurch lässt sich erkennen, wodurch eine Lastspitze verursacht wird und ob sie vermeidbar oder verschiebbar ist. 
Lupe auf Diagrammen zur Analyse von Stromverbrauch und Lastgangdaten im Unternehmen

Woher kommen Lastgangdaten?

Lastgangdaten stehen je nach Messsystem und Vertragsmodell über unterschiedliche Quellen zur Verfügung. Typische Anlaufstellen sind: 

  • das Onlineportal des Netzbetreibers, 
  • das Kundenportal des Energieversorgers, 
  • ein vorhandenes Energie- oder Gebäudemonitoring, 
  • das Energiemanagementsystem, 
  • Messsysteme von Photovoltaikanlage, Batteriespeicher oder Produktionsanlagen.

Für eine fundierte Analyse sollten die Daten möglichst in einem auswertbaren Format wie CSV oder Excel vorliegen. Wichtig sind ein eindeutiger Zeitstempel, das Messintervall sowie die bezogene Leistung oder Energiemenge. 

Der betrachtete Zeitraum muss den Betrieb realistisch abbilden. Bei saisonalen Schwankungen, unterschiedlichen Produktionsauslastungen oder stark verändertem Wärme- und Kühlbedarf ist eine Auswertung über mehrere Monate sinnvoll – idealerweise über ein vollständiges Betriebsjahr.
Eine Jahresstromrechnung allein reicht dafür in der Regel nicht aus. Sie zeigt zwar Verbrauch, Kosten und gegebenenfalls die verrechnete Spitzenleistung, aber nicht, wann, wie lange und wie häufig diese Belastung aufgetreten ist. 

Wie liest man einen 15-Minuten-Lastgang?

Für eine fundierte Bewertung reicht es nicht, nur den höchsten Messwert zu betrachten. Entscheidend ist, wann, wie lange und wie häufig bestimmte Belastungen auftreten. Vor der Analyse sollte außerdem geprüft werden, ob die Daten als Leistung in kW oder als Energiemenge je Viertelstunde in kWh angegeben sind. 

Grundlast erkennen
Die Grundlast bezeichnet jene Leistung, die auch nachts, an Wochenenden oder außerhalb der Betriebszeiten bestehen bleibt. Eine auffällig hohe Grundlast kann beispielsweise auf dauerhaft laufende Anlagen, Stand-by-Verbrauch, Kühlung oder Druckluftsysteme hinweisen. 

Lastspitzen bewerten
Neben der Höhe einer Lastspitze sind vor allem ihre Dauer und Häufigkeit relevant. Eine einmalige kurze Spitze erfordert eine andere Maßnahme als eine regelmäßig wiederkehrende Belastung über mehrere Stunden. Für die technische Auslegung müssen deshalb sowohl die benötigte Leistung in kW als auch die erforderliche Energiemenge in kWh berücksichtigt werden. 

Zeitpunkt und Ursache zuordnen
Typische Ursachen sind der gleichzeitige Start mehrerer Maschinen, Kompressoren, Kälteanlagen, Aufheizprozesse oder das parallele Laden von Fahrzeugen. Der Lastgang zeigt zunächst nur, wann eine Auffälligkeit entsteht. Die tatsächliche Ursache muss mit Betriebszeiten und Anlagendaten abgeglichen werden. 

Auch saisonale Unterschiede bei Produktion, Wärmebedarf, Kühlung oder PV-Erzeugung sollten berücksichtigt werden. Bei stark schwankenden Anforderungen ist daher eine Analyse über einen vollständigen Betriebszyklus sinnvoll. 

Lastgangmuster mit Optimierungspotenzial

Optimierungspotenzial besteht insbesondere dann, wenn regelmäßig hohe Lastspitzen auftreten, die zu erhöhten Stromkosten führen, außerhalb der Betriebszeiten unnötig Energie verbraucht wird oder die zeitliche Abstimmung zwischen PV-Erzeugung und Strombedarf nicht optimal ist. Typische Muster im Lastgang geben erste Hinweise auf geeignete Maßnahmen.

Mitarbeiter analysiert Lastgangmuster mit Lastspitzen, PV-Erzeugung und Ladeinfrastruktur im Unternehmen

Hohe Grundlast außerhalb der Betriebszeiten
Bleibt der Strombezug nachts, an Wochenenden oder in Produktionspausen auffällig hoch, können dauerhaft laufende Anlagen, Stand-by-Verbrauch oder ungünstige Einstellungen die Ursache sein. Hier sollte zunächst geprüft werden, welche Verbraucher tatsächlich notwendig sind. Stromspeicher können die erzeugte Tagesenergie auch für die Nacht bereitstellen. 

Kurze, wiederkehrende Lastspitzen
Regelmäßige Spitzen können beispielsweise durch Maschinenstarts, Kompressoren oder Aufheizprozesse entstehen. Je nach Ursache kommen eine zeitliche Staffelung, dynamisches Lastmanagement oder Peak Shaving mit einem Batteriespeicher infrage. 

Hohe PV-Einspeisung und späterer Netzbezug
Wird tagsüber viel PV-Strom eingespeist und zu anderen Zeiten wieder Strom aus dem Netz bezogen, sind Erzeugung und Verbrauch nicht optimal abgestimmt. Mögliche Maßnahmen sind Lastverschiebung, Speicheroptimierung oder die gezielte Steuerung flexibler Verbraucher. 

Ladeinfrastruktur während der betrieblichen Spitzenlast
Werden mehrere Fahrzeuge parallel zu Produktion, Kühlung oder anderen Großverbrauchern geladen, kann die Anschlussleistung unnötig stark belastet werden. Ein dynamisches Lademanagement verteilt die verfügbare Leistung bedarfsgerecht und berücksichtigt betriebliche Prioritäten. 

Von der Analyse zur Maßnahme: Welche Lösung passt zu welchem Lastgang?

Eine Lastganganalyse führt nicht automatisch zum Kauf eines Batteriespeichers. Die passende Maßnahme hängt davon ab, ob eine Last vermeidbar, verschiebbar, steuerbar oder nur durch zusätzliche Leistung abdeckbar ist.

Erkanntes Lastgangmuster Mögliche Maßnahme
Hohe Grundlast außerhalb der Betriebszeiten Betriebs- und Prozesseinstellungen optimieren, Speicher für PV-Nutzung prüfen
Zeitlich verschiebbare Verbraucher Lastverschiebung
Mehrere Verbraucher starten gleichzeitig Dynamisches Lastmanagement und Priorisierung
Kurze, regelmäßig wiederkehrende Spitzen Peak Shaving und Batteriespeicher prüfen
Hohe PV-Einspeisung bei späterem Netzbezug Eigenverbrauch und Speicherstrategie optimieren
Ladeinfrastruktur parallel zur Produktionslast Dynamisches Lademanagement
Begrenzte Anschlussleistung Lastmanagement, Speicherpuffer oder Netzausbau vergleichen

Welche Lösung technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, sollte über einen repräsentativen Zeitraum simuliert werden. Dabei sind neben dem Lastgang auch Investitionskosten, Tarifstruktur, Betriebsabläufe und vorhandene Energieanlagen zu berücksichtigen.

Techniker prüft Batteriespeicher und Lastspitzen für Peak Shaving im Unternehmen

Peak Shaving & Batteriespeicher bewerten

Ob ein Batteriespeicher zur Lastspitzenkappung sinnvoll ist, lässt sich nicht allein aus der höchsten gemessenen Spitze ableiten. Entscheidend sind vor allem Höhe, Dauer und Häufigkeit der Belastung. 

Für die Auslegung müssen zwei Größen getrennt betrachtet werden: 

  • Speicherleistung in kW: Wie viel Leistung muss der Speicher kurzfristig bereitstellen, um eine Spitze zu begrenzen? 
  • Speicherkapazität in kWh: Wie viel Energie wird benötigt, um die Belastung über ihre gesamte Dauer abzudecken? 

Zusätzlich muss geprüft werden, ob der Speicher vor jeder relevanten Spitze ausreichend geladen ist. Treten mehrere Spitzen kurz hintereinander auf, kann ein Speicher technisch groß genug wirken, aber im entscheidenden Moment nicht mehr genügend Energie bereitstellen.
Eine belastbare Bewertung simuliert deshalb den Speicherbetrieb über einen repräsentativen Zeitraum. Dabei werden auch PV-Erzeugung, Eigenverbrauch, Ladezustand, Tarifstruktur und weitere Speicheranwendungen berücksichtigt. Denn Peak Shaving, Eigenverbrauchsoptimierung und die Nutzung dynamischer Strompreise greifen auf dieselbe Speicherkapazität zu und müssen gemeinsam geplant werden. 

Ergebnisse der Lastganganalyse

Eine professionelle Lastganganalyse endet nicht bei einem Diagramm. Sie muss Unternehmen eine konkrete Grundlage für technische und wirtschaftliche Entscheidungen liefern. Dazu gehören: 

  • identifizierte Grundlasten und relevante Lastspitzen, 
  • Höhe, Dauer und Häufigkeit der Belastungen, 
  • Zuordnung zu Betriebszeiten, Anlagen oder Prozessen, 
  • Abgleich mit PV-Erzeugung, Einspeisung und Speicherbetrieb, 
  • technisch geeignete Maßnahmen und deren simulierte Wirkung, 
  • Priorisierung nach Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit. 

Fehlen wichtige Messwerte oder lassen sich Verbraucher nicht eindeutig zuordnen, sollte die Analyse außerdem zeigen, wo zusätzliche Messungen erforderlich sind.

Fazit: Erst verstehen, dann investieren

Eine fundierte Lastganganalyse zeigt, wann Leistung benötigt wird, welche Muster sich wiederholen und wo tatsächlich Optimierungspotenzial besteht. Damit schafft sie die Grundlage für technische und wirtschaftliche Entscheidungen – etwa zu Lastverschiebung, Peak Shaving, Batteriespeicher oder dynamischem Lastmanagement.
Wer den eigenen Lastgang kennt, investiert gezielter und kann Maßnahmen dort ansetzen, wo sie im Betrieb den größten Nutzen bringen. 

R.E.S.I.: Von der Analyse zur laufenden Optimierung

Eine Lastganganalyse zeigt, wo Optimierungspotenzial besteht. Entscheidend ist jedoch, diese Erkenntnisse anschließend auch im laufenden Betrieb umzusetzen.
Genau hier setzt R.E.S.I. an. Das Energiemanagementsystem von Energy+ vernetzt relevante Energieflüsse und berücksichtigt unter anderem Netzbezug, PV-Erzeugung, Batteriespeicher und steuerbare Verbraucher. Dadurch können Maßnahmen wie Lastmanagement, Speichersteuerung oder die Nutzung von PV-Überschüssen laufend an die tatsächliche Betriebssituation angepasst werden.
So wird aus einer einmaligen Analyse ein kontinuierlicher Optimierungsprozess. 

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